„Alles, was ich sehe“ von Marci Lynn Curtis

„Alles, was ich sehe“ von Marci Lynn Curtis habe ich Anfang des Jahres sehr oft gesehen, da es im Februar das „Jahr der Königskinder“ Buch des Monats war. Passenderweise habe ich es genau in der Zeit auch gelesen und nun komme ich dazu, die Rezension zu tippen.

Inhaltsangabe

In dem Buch geht es um die Jugendliche Maggie, die eigentlich ein sehr erfülltes Leben führt. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Opa zusammen in einem Haus, hat viele Freunde und spielt sehr gut Fußball. Eines Tages aber wird sie mit einer Hirnhautentzündung ins Krankenhaus eingeliefert und verliert daraufhin ihr Augenlicht. Dieses einschneidende Erlebnis macht ihr zu schaffen und sie kommt lange Zeit damit nicht zurecht. Sie sträubt und wehrt sich sehr lange gegen ihre Erblindung und auch gegen die Hilfen, die ihr angeboten werden. Mit einer Pflegerin soll sie üben, in ihrem Alltag zurecht zu kommen, aber arbeitet nicht mit und möchte sich am liebsten nur verkriechen. An ihrer neuen Schule kommt sie durch ihre Einstellung auch nicht klar. Nach einem missglückten Streich an ihrer Schule, bei dem sie erwischt wird, muss sie zu einem Bewährungshelfer. Im Anschluss an eine Besprechung bei ihm, rutscht sie in seinem Wartezimmer aus. Diesen Sturz bekommt der zehnjährige Ben mit, der Maggie auf Anhieb sympathisch findet. Sie hingegen sieht nur eines: Dass sie ihn sehen kann!

NNach diesem Zusammentreffen freunden sich Ben und Maggie an – aber erst einmal aus unterschiedlichen Gründen. Ben findet die sechs Jahre ältere Maggie hinreißend und versucht immer wieder, mit ihr zu flirten. Sie hingegen sieht in ihm nur eine Gelegenheit, endlich aus ihrer Welt auszubrechen und endlich wieder sehen zu können. Auch wenn die Freundschaft auf einer ungleichen Basis beruht, entwickelt sie sich doch im Laufe der Geschichte immer weiter. Doch nicht nur die Beziehung zwischen Ben und Maggie verändert sich mit der Zeit, sondern auch die zwischen Maggie und Bens großen Bruder Mason. Der hatte am Anfang etwas gegen sie, da er das Gefühl hatte, dass Maggie ihre Blindheit nur vortäuscht, um ihn – einen berühmten Sänger – kennenzulernen.

Den Ausgangspunkt der Geschichte fand ich sehr interessant und er hat mich neugierig gemacht. Maggie hat es mir von Anfang an unglaublich schwer gemacht, sie zu mögen, da sie sehr in ihrem Selbstmitleid und Egoismus aufgeht und sich auch sechs Monate nach dem Krankenhausaufenthalt immer noch nicht helfen lassen will. Sie versucht kein bisschen, mit ihren neuen Lebensbedingungen zurecht zu kommen und steht sich dabei immer nur selbst im Weg. Jedoch macht sie es damit auch ihrer Umwelt nicht leicht, mit ihr zu interagieren. Schade fand ich, dass dadurch das Bild suggeriert wurde, dass Menschen abseits der „gesundheitlichen Norm“ kein lebenswertes Leben haben. Ein Stück weit war es nachvollziehbar, dennoch hätte ich mir mehr Kritik im Buch an Maggies Lebenseinstellung gewünscht.

Ben hingegen war von Anfang an ein absoluter Sympathieträger. Er lässt sich durch die Spina Bifida nicht einschränken, sondern ist ein lebensfroher und altkluger Junge. Dadurch ist er ein unglaublich charmanter kleiner Kerl, der im direkten Gegensatz zu seinem Bruder steht. Mason ist der typische Schwarm eines Jugendbuches. Er ist zwar nett und kümmert sich unglaublich liebevoll um seinen kleinen Bruder und seine Mutter, aber die Beziehung zwischen ihm und Maggie war für mich dann doch oft vorhersehbar.

Maggie hat jedoch im Laufe der Handlung eine unglaublich tolle Wandlung hingelegt und hat es geschafft, von der vor Selbstmitleid triefenden Jugendlichen zur verständnisvolleren jungen Erwachsenen heranzureifen, die sich auch um ihre Mitmenschen sorgt und die Beziehungen aufrecht erhalten möchte. Die Bindung zu ihren Eltern und zu ihrem Opa wandelt sich noch mal in der Geschichte. Ebenso versucht sie nach einiger Zeit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie arbeitet zusammen mit ihrer Pflegerin daran, sich im Alltag zurecht zu finden, akzeptiert ihre Erkrankung und damit auch alles, was dazu gehört, wie z.B. die Schule und ihre Klassenkamerad*innen. Auch schafft sie es am Ende, wieder Kontakt aufzunehmen zu ein paar ihrer ehemaligen Mannschaftskolleginnen und bemüht sich, wieder eine gute Freundin zu sein. Das führt auch dazu, dass sie sich endlich zu fragen beginnt, warum sie Ben – und nur ihn – sehen kann und wieso das Feld, welches sie sehen kann, um ihn herum immer weiter wächst. Zusammen mit Mason versucht sie herauszufinden, was dahinter steckt, braucht aber sehr lange, um die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen, die für mich schon länger ersichtlich waren.

Fazit und Empfehlung

„Alles, was ich sehe“ ist ein gelungenes Jugendbuch, welches vor allem durch die wunderbaren Charaktere (ob Protagonistin oder Nebenfigur) und ihre Entwicklungen besticht. Es birgt eine unterhaltsame Erzählung, die dendie Leser*in dennoch auch zum Nachdenken anregen kann und ein kleines bisschen Magie beinhaltet.

Fakten

Titel: Alles, was ich sehe
Autor*in: Marci Lynn Curtis
Übersetzer*in: Nadine Püschel
Verlag: Königskinder
Reihe: nein
Seitenzahl: 432
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 978-3551560223
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