Christine Thürmer | „Laufen. Essen. Schlafen.“

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Rezension

buchhandel.de fraencisdaencis.deKurz nachdem die deutsche Seite von NetGalley online ging, meldete ich mich an und stöberte in den Büchern, die es dort zur Auswahl gab. NetGalley ist eine Plattform, auf der Blogger_Innen und Journalist_Innen Rezensionsexemplare als eBooks anfragen können. Verschiedene deutsche Verlage sind schon mit dabei, unter anderem auch der Piper Verlag. Dort wurde ich auch fündig, denn das Buch „Laufen. Essen. Schlafen.“ von Christine Thürmer hat mich inhaltlich und auch von außen sehr angesprochen. Worum es geht und wie es mir gefallen hat, kannst du nun lesen.

Als Christine Thürmer gekündigt wird, beschließt sie, sich eine Auszeit zu nehmen und auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada zu wandern – 4277 Kilometer. Eigentlich unsportlich und ohne Erfahrung bricht sie zu ihrem Abenteuer auf und schafft es tatsächlich bis ans Ziel. Und sie wandert weiter, läuft 2007 den Continental Divide Trail und 2008 den Appalachian Trail. Aus der gewissenhaften Geschäftsfrau wird eine Langstreckenwanderin, die fast ununterbrochen draußen unterwegs ist – zu Fuß, per Fahrrad oder Boot. Anschaulich und humorvoll beschreibt Christine Thürmer die Geschichte ihrer inneren Suche, ihre Erlebnisse und landschaftlichen Eindrücke auf den drei großen Trails und wie es ist, als Frau allein unterwegs zu sein. – Piper

„Die meisten Männer laufen den Trail, um sich selbst und vor allem ihrer Umgebung etwas zu beweisen. Sie wollen immer mit den anderen mithalten oder am besten noch schneller sein und hören dabei nicht auf die Signale ihres Körpers. Sie laufen zu schnell und zu viel – und müssen dann verletzungsbedingt frühzeitig abbrechen. Frauen hören auf die Signale und haben eine deutlich niedrigere Verletzungsquote“, erklärt Robert und scheint sich seiner Sache sicher zu sein. Aus „Laufen. Essen. Schlafen.“ von Christine Thürmer

Ich selbst bin zwar schon einige Male gewandert, aber nicht der größte Wanderfan. Dennoch fand ich Christine Thürmers Entschluss absolut faszinierend und ich war sehr neugierig, was sie auf ihrer Reise wohl alles erlebt hat. Das Buch beginnt in den USA bei Trailkilometer 0 auf dem Pacific Crest Trail und Christine Thürmer ist gerade auf dem Weg zur mexikanischen Grenze, um dort zu beginnen. Sie beschreibt in dem Buch ihre Gefühle und Erlebnisse sehr klar und ohne viel Schnick-Schnack. Ich konnte mich dadurch gut in sie hineinversetzen und fühlte mit ihr, als sie nervös zu ihrer ersten Langstreckenwanderung aufbrach.

„Ach was“, erwidert Buck 30 grinsend und bringt dann den Spruch des Tages: „Just duct tape your ass and go for it – Mach dir einfach Klebeband auf den Hintern und los.“
Aus „Laufen. Essen. Schlafen.“ von Christine Thürmer

Zwischen ihre Wandererfahrungen lässt sie immer wieder viele Informationen einfließen. So erzählt sie zum Beispiel direkt zu Beginn von den sogenannten trail angels: Menschen, die selbst nicht den Weg wandern, aber den thruhikern (Wanderer, die den ganzen Weg an einem Stück wandern) auf verschiedene Arten helfen. Die Begegnungen von Wanderern und Engeln war für mich jedes Mal spannend, denn so erfuhr ich noch mehr über die Wege und über die Leute. Nicht nur die Begriffe aus dem hiker slang sorgten so manches Mal für einen Schmunzler meinerseits, sondern auch die Tradition, dass jeder Wanderer auf dem Weg einen Spitznamen bekommt. Christine Thürmer wurde schnell zu German Tourist und gab einem ihrer Mitwanderer aus Versehen den Namen Pretty Legs. Als die beiden ihre Namen bekamen, überlegte ich, welchen Namen ich wohl bekommen würde, wenn ich denn einen der Wege laufen würde. Vielleicht ja Schissbux, wenn ich daran denke, was Christine Thürmer alles so erlebt hat…

Zwischen den Beschreibungen der einzelnen Wandererfahrungen beschreibt die Autorin ihre Zeit in Deutschland und ihre Ängste, Sorgen und Gedanken. Denn nach dem Pacific Crest Trail war ihr klar: die anderen beiden Wege (Continental Divide Trail und Appalachian Trail) möchte sie auch noch wandern und sich so die triple crown holen. Doch soll sie dafür ihren Job aufgeben? Und was ist mit ihrer Wohnung? Als Leserin habe ich mit überlegt und mir immer wieder Gedanken darüber gemacht, wie ich es wohl handhaben würde. Ich weiß nicht, ob ich so mutig wäre wie Frau Thürmer.

Das Buch endet mit einigen Bildern der drei Wanderungen, die in mir fast schon ein wenig Fernweh geweckt haben. „Laufen. Essen. Schlafen.“ kann ich besonders den Leuten nahelegen, die gerne wandern und die vielleicht sogar schon mit dem Gedanken gespielt haben, eine längere Wanderung anzugehen.

Fakten

Titel: Laufen. Essen. Schlafen.
Autorin: Christine Thürmer
Verlag: Piper
Reihe: nein
Seitenzahl: 288
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 9783890294711
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2 Kommentare

  1. Ich bin seit ein paar Wochen bei Netgalley, aber dieses Buch habe ich in Papierform :-)

    Bevor ich es vergessen, ein kleiner Einwand: Thürmer war nicht vollkommen untrainiert, sie hat vorher schon kleinere Wanderungen gemacht und sich akribisch vorbereitet. Es ist nicht zu vergleich mit „Einfach loslaufen“ :-)

    Ich finde die Rezi so schön positiv :-) Ich dachte, dass mich das Buch motiviert, Dinge „einfach zu machen“, aber ich spürte eine distanz zw. der Figur und mir. Einen Langstreckentrail schafft man nicht, wenn man spontan losläuft. Es ist ne große logistische Herausforderung. Ob mir so etwas liegen würde? Außerdem ist das Buch ziemlich sachlich und man spürt nur selten Genuss.

    Ich fands unterhaltsam , aber nicht so toll, wie ich gedacht hatte.

    • fraencisdaencis sagt

      Danke für das Lob :)

      Stimmt, du hast recht. Einfach so ist sie nicht losgelaufen. Ich fand das Buch inspirierend, aber nicht so sehr, als dass ich danach sofort aufgesprungen wäre und alles „einfach mal gemacht“ hätte.

      Liebe Grüße,
      Fraencis

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