GASTBEITRAG | Leselisten sind doch doof.

Heute blogge nicht ich, sondern Tasmin. Sie hat mich mit ihrer Frage bei Twitter nach dem gastbloggen überhaupt daran erinnert, dass ich doch auch Gastbloggerinnen und Gastblogger für den Urlaub suche.

„Leselisten sind doch doof“

Leseliste Tasmetu Gastbeitrag Fraencis Daencis

Noch vor wenigen Monaten hätte ich laut gelacht, hätte mir jemand erzählt, dass ich bald auf Leselisten schwören würde. Ich hatte schon oft von Leselisten oder Monats TBRs gehört, fand sie aber vollkommen dämlich. Warum sollte ich mir schon fest vornehmen, was ich in einem Monat lese? Und es dann vielleicht sogar noch ins Internet stellen, damit alle genau wissen, welche Rezensionen kommen und mitbekommen, wenn ich an meinen selbst gesetzten Zielen scheitere?

„Ich bin eine Gefühlsleserin“ war eine meiner Lieblingsaussagen. „Ich will mich bei jedem neuen Buch frei entscheiden können. Ich will vor meinem Bücherregal stehen und mein Bauchgefühl nach einem Buch greifen lassen. Ich will niemandem etwas beweisen müssen. Ich will freie Wahl haben.“

Theoretisch sehe ich das immer noch so: Ich möchte mich frei entscheiden, welches Buch ich lese. Und ich möchte auch nur Bücher lesen, auf die ich richtig Lust habe. Doch dann kamen die Rezensionsexemplare. Vor einigen Monaten gab es einen Punkt, an dem ich mehrere Rezensionsexemplare zu Hause hatte und mir klar wurde: Bei diesen Büchern habe ich keine Wahl. Die muss ich so schnell wie möglich lesen. Da ist kein Platz für freie Wahl.

Da mich dieser Gedanke einengte, beschloss ich zwischendurch trotzdem noch eigene ungelesene Bücher zu lesen. Aber ich wusste, dass das nicht ausarten durfte. Die Rezensionsexemplare mussten schließlich teilweise bis zu einem bestimmten Datum gelesen und rezensiert sein – dafür brauchte es Timing. Und so erstellte ich meine erste Leseliste. Und es funktionierte erstaunlich gut.

Ich war selbst überrascht wie gut es klappte, wie sehr es mich motivierte und wie es mir vielleicht ein bisschen Freiheit nahm, mich dafür aber entlastete. Ich hatte einen Plan und ich mag es, einen Plan zu haben. Genauso wie ich Listen mag und den Moment, in dem man etwas durchstreichen kann, was man geschafft hat. Und so fertigte ich für den folgenden Monat wieder eine Leseliste an und machte sogar ein YouTube Video darüber um mich noch mehr zu motivieren. Und im Monat danach machte ich es wieder so. Und im Monat danach auch.

Der Mai war nun der erste Monat in dem ich meine Leseliste nicht schaffte, geschweige denn übertreffen konnte. Ich rechnete fest damit enttäuscht zu sein und erwartete eine Welle von Stress. Doch die kam nie. Der Gedanke „Na toll, jetzt hast du dir etwas vorgenommen und bist grandios gescheitert. Jetzt hast du nächsten Monat Stress“ kam einfach nicht. Es war überhaupt nicht schlimm.

Für mich sind Leselisten ein Mittel um mich zu ordnen, um Rezensionsexemplare nicht aufzuschieben oder zu vergessen. Um meinen Berg an ungelesenen Bücher immer kleiner werden zu lassen. Um mich zu motivieren. Aber sie sind kein Zwang. Sie sind ein bisschen wie ein Vorschlag an mich selbst. Hier, das hier sind die Bücher die du schaffen könntest, die du schaffen solltest, die du schaffen möchtest. Aber es ist nicht schlimm, wenn du es nicht schaffst. Es ist kein MUSS. Und deswegen habe ich mir auch für den Juni wieder eine Leseliste erstellt – natürlich größtenteils mit den Büchern aus dem Mai, aber was solls.

Am Ende geht es doch nicht darum eine Liste durchzuarbeiten. Es geht auch nicht um das kleine Glücksgefühl ein weiteres Buch beendet zu haben oder die Anzahl der gelesenen Bücher zu steigern. Es geht darum, dass wir das Lesen genießen. Ich verstehe jeden, der Leselisten doof findet. Immerhin war das selbst lange Zeit meine Meinung. Doch mittlerweile möchte ich nicht mehr in einen neuen Monat starten, ohne eine Leseliste zu haben, an der ich mich orientieren kann.

Geht es dir auch so? Motivieren dich Leselisten oder findest du sie beengend?

Tasmin
Bloggt auf Tasmetu.de über Bücher, Gedanken und mehr.

2 Replies to “GASTBEITRAG | Leselisten sind doch doof.”

  1. Im Hinblick auf Rezensionsexemplare gebe ich dir recht: ich selbst habe schon mal ein Exemplar vergessen. Das darf natürlich nicht passieren. Ansonsten komme ich mit Leseliste allerdings nicht klar. Ich hab das mal versucht, jeden Monat auf dem Blog darüber berichtet und bin dann doch gescheitert. Wenn ich keine Lust auf ein Buch habe, dann quäle ich mich dadurch. Obwohl mir lesen doch Spaß machen soll und keine Arbeit. Die hab ich schon im Büro.

    1. Hey Melissa :)

      Ja wie gesagt, mir ging es auch immer so und meine Leseliste für Juli bereitet mir auch zum allerersten Mal das Gefühl, dass ich etwas lese worauf ich keine Lust habe. Aber ich sehe das auch nicht so eng. Dann les ich es halt nicht, sondern was anderes. Ich glaube nicht, dass mir wer entfolgt nur weil ich nicht exakt die gleichen Bücher gelesen habe, die ich mir vorgenommen habe ;)
      Aber ja ich verstehe dich sehr gut :)

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