„Mr. Gwyn“ von Alessandro Baricco

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Rezension

Ein Schriftsteller, der keine Bücher mehr veröffentlichen, gar schreiben will? Klingt ganz nach einer interessanten Geschichte. Das war zumindest mein Gedanke, als ich die Inhaltsangabe zu „Mr. Gwyn“ von Alessandro Baricco las und mit diesem Gedanken bin ich auch an das Buch herangegangen. Noch einmal vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar!

Inhaltsangabe

Jasper Gwyn, ein berühmter englischer Schriftsteller Anfang vierzig, fasst eines Tages einen weitreichenden Entschluss. In einem Zeitungsartikel listet er 52 Dinge auf, die er fortan nicht mehr zu tun gedenkt, darunter auch: Bücher schreiben. Stattdessen beschließt er, in seinem neuen Leben als „Kopist“ zu arbeiten und Porträts anzufertigen – dies allerdings nicht mit Pinsel und Palette, sondern in geschriebener Form. Er mietet ein Atelier an, wo ihm fortan Menschen Modell sitzen, die sich später in seinen Porträts gänzlich wiederfinden werden. Bis eine junge Frau auftaucht, die sich den strengen Regeln des Kopisten entzieht. Hoffmann und Campe

D

ie ersten Kapitel von „Mr. Gwyn“ lasen sich zügig und gut. Der Schreibstil gefiel mir, der Beginn der Geschichte ebenfalls und ich war schnell in das Buch vertieft. Aber dann kam eine Stelle in dem Buch, bei der mir die Kinnlade herunterklappte und minutenlang starrte ich die folgenden Zeilen an:

Er machte das Handy aus und winkte der dicken jungen Frau, die sich aus Höflichkeit ein paar Schritte entfernt hatte. Er bemerkte, dass ihr Gesicht schön war, ansonsten hielt sie den Schaden mit geschickt gewählter Kleidung in Grenzen.
Seite 24

Das ist ein heftiger Fall von Body Shaming, sprich ein unpassender, negativer Kommentar oder unpassendes, negatives Verhalten gegenüber Menschen mit einem bestimmten Körpertyp. In diesem Fall gegenüber Menschen mit Übergewicht. Nachdem ich diese Aussage gelesen hatte, konnte ich erst einmal nicht weiterlesen. Ich war frustriert, dass es in der heutigen Zeit immer noch Bücher gibt, die solche Botschaften vermitteln. Nach einer etwas längeren Lesepause griff ich wieder zu dem Buch, doch es gefiel mir einfach nicht mehr so, wie es noch zu Anfang der Fall gewesen war. Ich sah nicht nur den Protagonisten Jasper Gwyn in einem anderen Licht, sondern auch den Autoren Alessandro Baricco. Und ich musste leider auch nicht lange warten, bis ein ähnlich negativer Kommentar auftauchte.

Aber nicht nur das Body Shaming gefiel mir an „Mr. Gwyn“ nicht (obwohl das schon ein riesen großer Minuspunkt war). Auch der Aufbau der Geschichte war nicht nach meinem Geschmack und ich habe das Buch gegen Ende nur noch deshalb gelesen, damit ich es bald beenden kann. Die Idee mit den geschriebenen Porträts war zwar nett, jedoch fand ich, dass man über die Arbeit wenig erfuhr.

Fazit und Empfehlung

Obwohl mir eigentlich der Schreibstil gut gefiel, so kann ich das Body Shaming nicht unkommentiert lassen. Auch der Handlungsbogen war für mich ein bisschen wirr und bereitete mir keine Freude beim Lesen. Daher ist „Mr. Gwyn“ für mich ein Reinfall gewesen.

Fakten

Titel: Mr. Gwyn
Autor: Alessandro Baricco
Übersetzerin: Annette Kopetzki
Verlag: Hoffmann und Campe
Reihe: nein
Seitenzahl: 320
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 978-3455405613
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