REZENSION | Bov Bjerg | „Auerhaus“

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Rezension

buchhandel.de Autor TitelDieses Buch ist in letzter Zeit in aller Munde und als die Rezensionsanfrage kam, siegte auch bei mir die Neugier auf diesen Roman mit dem schlichten, aber fesselnden Titelbild.

Was genau das Auerhaus ist und welche Geschichten dahinterstecken, habe ich nur zu gerne an einem verregneten Samstagnachmittag herausgefunden. Ob ich es wohl weiterempfehlen kann? Das erfährst du in der nachstehenden Rezension.

Frieder, „Höppner Hühnerknecht“, Vera, Cäcilia, Harry und Pauline wohnen zusammen in einer Schüler-WG, irgendwo in einem deutschen Dorf. Die bunt zusammengewürfelte Truppe ist anders als ihre Mitschüler, die sich auf ihr Abitur konzentrieren und noch im Elternhaus leben. Frieder hat einen Suizidversuch hinter sich und damit er nicht alleine ist, zieht sein bester Freund – nie beim Vornamen genannt – mit in das Haus, in dem Frieders Opa gelebt hat. Damit die Last der Verantwortung nicht auf Höppner alleine liegt, ziehen dessen Freundin Vera und die strebsame Schulkameradin Cäcilia mit ein. Irgendwann sitzt dann auf einmal der schwule Elektriker Harry bei ihnen in der Küche und kurz darauf kommt die brandstiftende Pauline dazu. Zusammen erleben sie die Höhen und Tiefen des Lebens in den Achtzigern mit Drogen, Sexualität, Suizid und die allgemeinen Probleme des Erwachsenwerdens.

Fakten

Titel: Auerhaus
Autor: Bov Bjerg
Verlag: Blumenbar
Reihe: nein
Seitenzahl: 235
Erscheinungsjahr: 2015
ISBN: 9783351050238

Der Einstieg in den Roman war interessant gestaltet, dennoch wurde ich zu Beginn einfach nicht warm mit dem Buch. Zwischendurch hatte ich auch meine Zweifel, ob die ganze Thematik überhaupt mein Geschmack ist. Die Achtziger habe ich nicht miterlebt und hatte daher so manches Mal meine Schwierigkeiten, mich in die Lage der Protagonistinnen und Protagonisten hineinzuversetzen.

„Sturm und Drang, Klassik, Romantik, ich konnte mir die Reihenfolge nie merken. Ich verstand nicht, wie das funktionierte mit diesen Epochen. Hatte sich Goethe irgendwann mal vorgenommen, so, genug Klassik geschrieben, das wird mir langweilig, jetzt schreibe ich Sturm und Drang? Außerdem war der Epochen-Name völlig bescheuert. ‚Sturm und Drang‘, das klang wie so eine christliche Teenie-Band.“ – Seite 20

Die Handlung dreht sich rund um die sechs Bewohnerinnen und Bewohner des Auerhauses. Eigentlich passiert nicht so viel, dennoch packte mich es, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Am Ende jedoch hatte ich das Gefühl, nichts war passiert und eigentlich war es Frieders Geschichte. Warum ich diesen Eindruck hatte, kann ich hier an dieser Stelle leider nicht verraten, ohne zu spoilern. Ich fand es schade, dass sich alles nur um ihn drehte – und ein wenig um seinen besten Freund Höppner. Die anderen Charaktere hatten ebenfalls genug Potenzial für spannende Geschichten, die in meinen Augen kaum genutzt wurden.

„Im Recorder lief ein Song, der hieß ‚Our House‘. […] Der Seidel horchte. Dann sagte er: ‚Auerhaus, aha. Auerochse, Auerhaus.'“ – Seite 58

Die sechs Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses sind eine sehr schräge Mischung an Personen. Jede und jeder ist für sich genommen sehr speziell, doch die Mischung funktioniert gerade deshalb sehr gut. Zu manchen – wie zum Beispiel zu den später hinzugekommenen Harry und Pauline – hatte ich als Leserin des Romans eine eher schlechte Bindung. Sie waren mir mehr oder weniger egal, was schade war, schließlich hatten beide einen interessanten Hintergrund. Höppner, der Ich-Erzähler des Buches, war mir von seinem Denken und Handeln leider sehr fremd, sodass ich zwar gerne die Geschichte las, mich aber nicht involviert fühlte. Auch die beiden Mädchen Vera und Cäcilia blieben eher blass; die einzige Person, die wirklich herausstach, war Frieder. Er ist schließlich auch derjenige, der die Jugendlichen zusammenhält. Als ich das Buch beendet hatte, war ich nicht traurig, dass ich nun keine Zeit mehr mit diesen Protagonistinnen und Protagonisten verbringen konnte, so wie ich es sonst bei herausragenden Büchern habe.

„Jedenfalls, wir lebten ein richtiges Leben mit Aufstehend und Frühstückmachen und Federballspielen, mit Essenbesorgen und zusammen Kochen. Vor dem Essen sagte Frieder: ‚Lasset uns beten!‘ Wir riefen: ‚Der Hunger treibt’s rein, der Geiz behält’s drin!‘ Frieder sagte: ‚Amen.'“ – Seite 60

Bov Bjergs Schreibstil passte gut zu der Geschichte, war jedoch schlichtweg nicht nach meinem Geschmack. Durch bestimmte Ausdrucksweisen und die andauernde Wiederholung des Wortes egal schaffte der Autor es, dass ich von dem Ich-Erzähler genervt war. Doch die Art und Weise des Erzählens passte zu dem Charakter von Höppner, sodass sicherlich andere Leserinnen und Leser das als positives Zeichen werten. Stellenweise war ich jedoch hin und weg, wie gut der Autor sich ausdrücken kann und welche kleine Weisheiten in dem Buch versteckt sind.

„Vor dem Auerhaus, mitten im Dorf, stand jetzt die komplette Oberstufe des Gymnasiums Am Stadtrand, sämtliche Irren aus dem Schwarzen Holz, jedenfalls die, die Ausgang hatten, und alle Schwulen zwischen München und Paris. Jeder umarmte jeden.“ – Seite 123f

Bewertung

Einstieg in die Geschichte: 3/5
Handlung: 2/5
Charaktere und ihre Entwicklung: 2/5
Schreibstil: 3/5
Gesamt: 2,5/5

Ich habe das Gefühl, das Buch passte einfach nicht zu mir, vielleicht auch einfach nicht zu meiner Stimmung an dem Tag, an dem ich es las. Vielleicht ändert sich meine Meinung über den Roman, wenn ich ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder lese. Falls dich das Buch interessiert, rate ich dir, dass du es einfach mal probierst, es könnte dein Lieblingsbuch werden.

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