REZENSION | Kim Stanley Robinson | “2312”

Schreibe einen Kommentar
Rezension
Für die dritte Runde der reBuy Bücherchallenge hatte ich die Aufgabe, ein Buch aus dem Genre “Science Fiction” zu lesen. Und dann stand ich da. Vor meinem SuB. Starrte die Bücher an und dachte nur so: “Okay, das ist nicht so dein Genre… Also muss ein neues her.”. Dank euch habe ich via Twitter viele tolle Vorschläge bekommen und habe mich dann im Endeffekt für dieses Buch entschieden. Ob es wohl eine gute Wahl war?
Die Abstimmung läuft immer noch. Wenn ihr mögt könnt ihr mich unterstützen, indem ihr HIER AUF DEN LINK klickt und eure Stimme der ersten Rezension gebt.
Danke!

Allgemeine Informationen

Titel: 2312
Autor: Kim Stanley Robinson
Verlag: Heyne Verlag
Reihe: nein
Seitenzahl: 592
Kaufmöglichkeiten: Buch | eBook

Klappentext

“Wir schreiben das Jahr 2312: Die Menschheit hat Teile des Sonnensystems bevölkert, hat Habitate auf Asteroiden errichtet, hat auf dem Merkur eine sich bewegende Stadt gebaut. Und sie hat auf all diesen neuen Welten neue Gesellschaftsformen ausprobiert, die miteinander im Konflikt stehen. Es ist das Jahr 2312 – und die menschliche Zivilisation steht vor ihrer größten Herausforderung … Mit »2312« hat Kim Stanley Robinson den großen Science-Fiction-Roman unserer Zeit geschrieben, ein bis ins kleinste Detail durchdachtes Zukunftspanorama.”

Erwartungshaltung

Ich muss ehrlich sagen, dass ich kaum Erwartungen an das Buch hatte. Meine Hoffnung war lediglich, dass es gut lesbar ist und ich schnell in die Handlung, in die Welt, hinein komme.

Cover

Das Cover trifft total meinen Geschmack. Es passt prima zu dem Inhalt des Buches und sieht auch noch ganz schick aus. Oder was meint ihr?

Inhalt

Das Buch behandelt die Besiedelung des Weltraums durch die Menschen, sowie die Folgen und Probleme dieser Besiedelung. Die Protagonistin Swan ist eine Raumerin, das heißt, sie lebt nicht auf der Erde, sondern im Weltraum – genauer gesagt auf dem Merkur. Ihre Großmutter Alex ist eine wichtige Person nicht nur auf dem Merkur, sondern auch ein wichtiges Mitglied des Mondragon-Bunds, einer wichtigen Macht im All. Als Alex stirbt, wirft ihr Tod einige Fragen auf, und auch ihr Vermächtnis ist nicht zu unterschätzen. Sie war Teil von vielen Projekten, die manches Mal auch geheim waren, und ihre Enkelin muss nach dem Tod nun versuchen, die Projekte am Laufen zu halten. Dabei weiß Swan selbst kaum etwas über die Projekte. Warham und Inspektor Genette, zwei Vertraute von Alex, versuchen sie nach und nach einzuweihen, ohne zu viel preiszugeben. Noch während die Ermittlungen zu Alex’ Tod laufen, ereignen sich fragwürdige Dinge, bei denen zweifelhaft ist, dass sie alle zufällig passiert sind. So wird nicht nur eine wichtige technische Station von Wang, einem weiteren Verbündeten angegriffen, sondern auch Terminator zerstört, die Stadt auf Swans Heimatplanet Merkur. So versuchen nun die Figuren in Robinsons Roman den Angreifern auf die Spur zu kommen.

Schreibstil

Mir gefällt der Schreibstil des Autors sehr gut. Die einzelnen Kapitel sind flüssig zu lesen, die Handlung wird immer wieder zwischen den Kapiteln unterbrochen von Auflistungen oder kurzen Erzählungen, die einem die komplexe Welt des 24. Jahrhunderts näher bringen. Ab und an war man aber erst einmal nach dem Lesen dieser Texte verwirrter als vorher, da das Wissen nicht unbedingt im direkten Zusammenhang mit der vorherigen Handlung steht.

Notizen

Bei diesem Buch hielt ich es für angebracht, kleine Leseupdates zu schreiben, damit auch ich nachher meine Gedanken besser zusammen bringen kann. Diese Leseeindrücke, die ich in unregelmäßigen Abständen geschrieben habe. könnt ihr auf meiner booklikes-Seite nachlesen.

Was mir direkt am Anfang positiv auffiel, war die Tatsache, dass ich sehr schnell einen Überblick von der erschaffenen Welt hatte, sodass ich mich in der Handlung gut zurecht fand. Da haben mir auch sehr die kleinen, informativen Zwischenkapitel geholfen, die eine detailliertere Schilderung zuließen. So merkt man als Leser auch schnell, dass Kim Stanley Robinson eine sehr ausgedachte, komplexe Welt im 24. Jahrhundert erschaffen hat mit all ihren eigenen Problemen und Möglichkeiten.
Die Protagonistin Swan, die man auf ihrer Reise begleitet, ist sehr unnahbar und oft fragt man sich, was denn nun genau hinter ihrer Fassade steckt. Doch schon bald bekommt man tiefere Eindrücke in ihr 130-jähriges Leben und versteht einige ihrer Charaktereigenschaften mehr.
Dieses Buch ist sehr facettenreich und es ist schwierig, in Worte zu fassen, was “2312” zu dem unglaublich faszinierenden Buch macht, das es ist, ich probiere es dennoch.
Zunächst einmal finde ich es unglaublich, dass der Autor so viel Wissen über klassische Musik und Literatur, aber auch über Kunst in den Science Fiction Roman einfließen ließ, ohne das es komisch wirkt. Dadurch bekommt das Buch ein sehr anspruchsvolles Niveau, welches mir gefällt. Zwischendurch kann man auch schon mal vergessen, dass der Handlungszeitraum in der Zukunft liegt.
Das Buch behandelt aber auch Themen, die schon in der heutigen Zeit diskutiert werden und die nicht gerade einfach zu behandeln sind. Da wäre zum Beispiel einmal der menschliche Umgang mit seinem Heimatplaneten Erde. Denn die Menschen haben den Weltraum nicht ohne Grund besiedelt, aber die Erde spielt immer noch eine große und wichtige Rolle, sodass auch die Aufrechterhaltung der Erde thematisiert wird.
Zum anderen spielt auch das Geschlecht und die Sexualität der Menschen eine Rolle. Es gibt allerlei Lebensfomen, die allesamt respektiert werden, die auch – jede für sich – ihre Vorteile haben.
Ebenso wichtig ist die Thematisierung des Umgangs mit dem eigenen Körper. Für die Raumer ist es ziemlich normal, ihr geerbtes Material erweitern zu lassen, sei es durch einen Bakteriencocktail, Gehirne anderer Tiersorten oder kleine Computer, die man in den Kopf implantieren lässt. Der Autor schafft immer wieder Debatten zwischen verschiedenen Personen, die die unterschiedlichsten Haltungen gegenüber diesen Erweiterungen einnehmen, sodass man sich ein sehr differenziertes Bild schaffen kann.

Zitate

“Es ist, als würde man Gottes Antlitz schauen, sagen manche Leute, und die Sonne versorgt ja tatsächlich alle Lebewesen im Sonnensystem mit Energie; in diesem Sinne ist sie unser Gott.” – Seite 13
“Kurz ging es Swan durch den Kopf, dass lautmalerische Begriffe vielleicht häufiger vorkamen, als einem bewusst war, dass die Sprachen der Menschen ein Echo der Welt waren, wie Vogelstimmen.” – Seite 26
“Der Planet war inzwischen frei von Eis. Nur die Antarktis und Grönland hatten sich noch nennenswerte Mengen davon bewahrt, und Grönland schwand schnell dahin. Deshalb lag der Meeresspiegel mittlerweile elf Meter höher als vor dem Wandel. Die Überflutung der Küstenbereiche war einer der Hauptfaktoren der irdischen Katastrophe der Menschheit.” – Seite 109
“All die großartigen Momente von der Tonspur seiner ach so romantischen Jugend. Swan war derweil für alles zu haben, und mit ihren biologischen Erweiterungen fügte sie den Melodien eine wilde, verschnörkelte oder avantgardistische Note hinzu.” – Seite 194

Autor

Kim Stanley Robinson wurde 1952 in Illinois geboren, studierte Literatur und promovierte mit einem Essay über die Romane von Philip K. Dick. Er veröffentlichte zahlreiche Science-Fiction-Kurzgeschichten und -Romane und wurde mit dem Nebula Award ausgezeichnet. Weltbekannt wurde er mit seiner Mars-Trilogie. Kim Stanley Robinson lebt und arbeitet in Kalifornien.

Fazit

Dieses Buch ist ein absolutes “Must-Read” für mich. Es ist sehr anspruchsvoll geschrieben, thematisiert viele wichtige Aspekte des Lebens, die der Autor nicht erst erfinden musste und hat dann noch eine packende Handlung! Ich werde sicherlich das Buch noch einmal lesen, denn es ist schwer, die Vielschichtigkeit des Buches zu durchbrechen, um es in seinem vollen Ausmaß zu begreifen.

{ 5/5 Punkte }

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*