REZENSION | Mary Scherpe | “An jedem einzelnen Tag”

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Rezension

Als ich das Paket von Bastei Lübbe in der Hand hielt, war ich sehr überrascht, denn ich hatte kein Buch erwartet. Über das Buch habe ich mich riesig gefreut und war froh, als ich es dann im Rahmen eines Lesemarathons lesen konnte.

Fakten

Titel: An jedem einzelnen Tag
Autorin: Mary Scherpe
Verlag: Bastei Lübbe
Reihe: nein
Seitenzahl: 223
Erscheinungsjahr: 2014
ISBN: 978-3-404-60829-4
Bewertung: 5/5 Punkte

 

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Copyright liegt beim Verlag.

Inhalt

Seit 2006 bloggt Mary Scherpe auf dem Blog Stil in Berlin über ihr Leben in der Hauptstadt. Mit den Jahren wächst ihr Blog und auch ihre Leserschaft und irgendwann gelingt ihr der Schritt in die Selbstständigkeit mit dem Blog. Dass das Bloggerleben nicht nur eitel Sonnenschein ist, hat auch sie längst erfahren. Als jedoch im Jahr 2012 ein Stalker in ihr Leben eingreift, erfährt sie, wie schlimm es werden kann. Mit all ihren Mitteln kämpft sie gegen den Stalker an und dokumentiert ihren Weg in diesem Buch.

Meine Meinung

Die Bloggerin Mary Scherpe hat mich mit ihrer Geschichte direkt zu Beginn gepackt. Sie erzählt in chronologischer Reihenfolge, was passiert ist, sodass man alle “Entwicklungen” nachvollziehen kann. Ich war regelrecht geschockt, zu sehen, welche Mühe manche Menschen sich machen, auf jedem sozialen Netzwerk einen eigenen Account anzulegen mit ähnlichem Namen – und all diese Kanäle auch noch täglich am Laufen zu halten! Die Hilflosigkeit der Autorin sprang beim Lesen auch auf mich über, dennoch fand ich einige Gedankengänge erschreckend:

“Noch immer glaubte ich, der Schlüssel zur Lösung des Problems läge bei mir – solange ich mich von seinen Taten nicht beeindrucken ließ, konnte mir nichts passieren. Aber Probleme verschwinden bedauerlicherweise nicht, nur weil man sie lange genug ignoriert.” – Seite 61

Ebenfalls schockierend fand ich, wie wenig 2012 – und auch noch heute – getan wurde bei “Übergriffen im Internet”. Kaum einer kann Mary Scherpe helfen, auch sogenannte Experten sind ratlos. Besonders ein Erlebnis bei der Polizei hat mich mit offenem Mund vor dem Buch sitzen lassen. Als ich fast schon dachte, dass kaum einer helfen kann und wird, kam immerhin eine nette Postmitarbeiterin des Weges. Immerhin eine Person, die sich mit Kompetenz Mary Scherpes Problem annimmt.

“In einem Ratgeber zum Thema Stalking, der einige Jahre, aber kein Jahrzehnt alt ist, fand ich einmal den Tipp, bei allen kostenlosen Mailanbietern den eigenen Namen zu reservieren, um sich gegen Missbrauch zu schützen. Bei der heutigen Menge an Anbietern und der unzähligen Schreibweisen mit Punkten oder Bindestrichen scheint dieser Ratschlag beinahe lächerlich. Allerdings steht er sinnbildlich für die Hilflosigkeit der ‘klassischen’ Stalker-Beratungen im Fall von Online-Angriffen.” – Seite 83

Mit der Zeit ist der Stalker sehr gut aufgestellt und weiß genau, wie er Mary Scherpe am heftigsten treffen kann. Auch kennt er viele Tipps und Tricks, die ihm das Nachstellen erleichtern. Und auch hier fand ich es wieder erschütternd, was für Möglichkeiten es heutzutage gibt, die solche Aktionen unterstützen. Generell waren die Methoden, auf die der Täter zurückgreift, allesamt sehr widerlich. Er versucht der Bloggerin weiszumachen, dass er nicht eine Person ist, sondern eine Gruppe Bloggerinnen, der sie schon lange Zeit ein Dorn im Auge ist.

“So langsam hatte er sich eingerichtet – er benutzte Twitter, um mich zu beleidigen, SMS, um mir Nähe vorzugaukeln, und Briefpost, in denen er seine Vorstellungen von (gemeinsamen?) Reisen, Hausbau und Familiengründung ausleben konnte.” – Seite 91

Im Allgemeinen lässt sich zu dem Buch sagen, dass es sehr ansprechend gestaltet ist und die immer wiederkehrenden Screenshots die Geschichten gut untermauern. Auch sind die Teile, in denen es nicht um das eigene Erlebte der Autorin geht, sehr gut recherchiert, sodass ich mich immer wieder dabei ertappte, jenen angesprochenen Fall selbst im Internet mal nachlesen zu wollen.

Fazit

Eigentlich möchte ich dieses Stück Lebensgeschichte der Autorin ungerne mit Punkten bewerten, aber ich kann definitiv eine Leseempfehlung für ihr Buch aussprechen. Wenn ich nun aber doch Punkte vergeben müsste, so gebe ich natürlich die volle Punktzahl – alleine schon, weil solcher Mut honoriert werden sollte.

Danke an den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für deine interessante Rezension, anhand derer du uns sogar spannende Einblicke ins Buch ermöglichst. Du hast mich neugierig gemacht! Ein sehr unheimliches Thema…

    • Danke für dein tolles Lob, Anka! Das freut mich sehr, wenn meine Rezensionen gut ankommen.

      Ich fand das Thema auch sehr schockierend und stellenweise hat es mich auch leicht gegruselt…

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