REZENSION | Mercedes Lauenstein | „Nachts“

buchhandel.de fraencisdaencis.deAls die eMail mit der Anfrage kam, ob ich nicht gerne das Buch „Nachts“ von Mercedes Lauenstein lesen und rezensieren wollen würde, da brauchte ich nicht lange zu überlegen. Die Nacht und ich, das ist so ein Kapitel für sich und als ich dann noch das tolle Titelbild und die Beschreibung des Buches sah, war es um mich geschehen. Als ich es dann in den Händen hielt, packte ich es sofort in meine Tasche, um es am nächsten Morgen auf meinem Arbeitsweg zu lesen. Ob das eine gute Idee war, kannst du in meiner Rezension lesen.

[red_box]Nacht für Nacht streift eine junge Frau durch die Stadt. Sie sucht nach etwas, doch sie weiß nicht, wonach. Vielleicht, denkt sie, kann sie es hinter den letzten erleuchteten Fenstern finden. Sie klingelt an den Türen. Und begegnet Menschen im Moment ihrer höchsten Einsamkeit – Menschen, die nachts erst richtig zu leben beginnen, wenn draußen alles still und dunkel ist. – Aufbau Verlag[/red_box]

Die erste Seite des Buches hat mich schon gefesselt und von da an war ich im Bann der Geschichte. Wobei – eigentlich handelt es sich bei dem Buch um mehrere Geschichten, welche durch die gemeinsame Erzählerin einen roten Faden erhalten.

„Die Fenster, hinter denen noch Licht brennt, werden immer weniger, je später es wird. Ich zähle sie. Sie ziehen mich an. Die dunklen nicht, die machen mir Angst. Schlafende gruseln mich in ihrer Selbstvergessenheit. Ich halte mich deshalb an die Wachenden. Gibt es nur noch ein einziges erleuchtetes Fenster in einer ganzen Straße, bleibe ich stehen, blicke hoch und bete, dass es jetzt nicht erlischt. Einer muss übrig bleiben, einer muss immer übrig bleiben.“

Seite 7

Die einzige Person, die mehrmals auftaucht, ist die namenlose Erzählerin, welche nachts bei den Menschen klingelt, die noch wach sind. Sie erzählt ihnen, dass sie Forscherin ist und herausfinden möchte, warum Menschen nachts wach sind und was sie dann machen. Doch der eigentliche Grund dieser nächtlichen Besuche wird erst nach und nach deutlich. Von den Personen, die sie besucht, bekommt man immer einen kleinen Einblick in das Leben. Jede Figur ist anders und doch haben alle eines gemeinsam: Sie sind sehr realitätsgetreu dargestellt.

„‚Toll war das, ein frühes Aufstehen von einer ganz anderen Qualität als das frühe Aufstehen eines Bäckers. Man wird so herrlich in Ruhe gelassen. Nichts lärmt, kein grelles Licht, keine Menschen. Jeden Morgen spektakuläre Sonnenaufgänge, wilde Wolkenkombinationen in rot, gold, lila. Kann man einfach vor sich herfahren mit dem Rad, quer durch die Sommernacht, und aus den Fahrradtaschen riecht es nach feuchter Druckerschwärze und man hat sie alle im Gepäck, die noch ungelesenen Nachrichten des Tages. Hab mich nochmal richtig jung gefühlt. Im Morgengrauen durch die Straßen radeln, ich glaube, das ist wahre Freiheit.'“

Seite 23f

Eine zusammenhängende Handlung gibt es in „Nachts“ nicht. Die einzelnen Kurzgeschichten sind ohne Zusammenhang aufgeschrieben. Jede ist datiert und fängt dann sofort an. Ich mochte das gerne, denn so stand jede Geschichte – und damit auch der Mensch hinter ihr – für sich alleine und bekam auch die Aufmerksamkeit, die sie verdient hat. Ich mochte alle Erzählungen gerne; jede hatte etwas Spezielles an sich.

„Sie würde gerne öfter mit ihrem Sohn zusammen sein. Seine Freunde kennenlernen. Bilder sammeln zu seinen Erzählungen. Aber das geht nicht. Sie darf ihn nicht mit ihrer Einsamkeit nerven.“

Seite 37

Mercedes Lauenstein hat einen wunderbaren Schreibstil, der zu sowohl den außergewöhnlichen als auch den alltäglichen Handlungen passte. Ich flog durch das Buch und hatte doch das Gefühl, die Zeit bleibt stehen.

„Wo ist mein Zentrum der Welt? Meine Finger wollen zum Südostufer von Madagaskar oder an den ‚Gulf of Aden‘. Und was ist eigentlich da los, auf diesen Inseln bei Südamerika, ganz unten, wo die Welt ausläuft ins Nichts, South Georgia and The Sandwich Islands? Oder da, wo die Landstriche heißen wie Prinzen und Prinzessinnen? Königin-Maud-Land, Victorialand.“

Seite 50f

Eine wirklich wunderbare Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe. Ich kann sie dir nicht nur empfehlen, wenn du gerne und/oder öfter nachts wach bist, sondern spreche eine allgemeine Empfehlung für „Nachts“ aus.

Fakten

Titel: Nachts
Autorin: Mercedes Lauenstein
Übersetzer:
Verlag: aufbau
Reihe: nein
Seitenzahl: 191
Erscheinungsjahr: 2015
ISBN: 9783351036140

Weitere Rezensionen:

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