REZENSION | Sarah Winman | “Als Gott ein Kaninchen war”

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Rezension
Wieder einmal wurde meine Leselust etwas gehemmt, dieses Mal durch zwei Faktoren: Einmal wären da die tagtäglichen Dinge, die im Semester anstehen sowie die Tatsache, dass bald Klausuren sind, sowie ein Buch, welches mir nicht sehr gut gefiel, wodurch ich auch in meiner freien Zeit seltener zu ihm griff. Aber nun habe ich das betreffende Buch beendet und sage euch im Nachfolgenden, warum mir was gefiel – oder auch nicht.

Allgemeine Informationen

Titel: Als Gott ein Kaninchen war
Autorin: Sarah Winman
Verlag: blanvalet Verlag
Reihe: nein
Seitenzahl: 382
Kaufmöglichkeiten: Buch | eBook 

Klappentext

“Als Gott ein Kaninchen war, war Elly Portman noch ein Kind. Behütet von ihrem großen Bruder Joe, befreundet mit einem seltsamen Mädchen namens Jenny. Die Welt war noch schön und voller Überraschungen, die Träume noch klein und für jeden zu erreichen, und Süßigkeiten kosteten nur einen Penny. Zusammen konnte man alle Klippen des Lebens umschiffen.

20 Jahre später sind Elly und Joe erwachsen und sich näher denn je. Bis das Schicksal Elly zu einer langen Reise zwingt, denn ihr geliebter Bruder braucht ihre Hilfe. Nun ist es an ihr, Joe zurück ins Leben zu holen und endlich ihr Glück zu finden.” via

Erwartungshaltung

Der Klappentext versprach eine angenehme Geschichte über Geschwisterliebe und Freundschaft, die bis ins Erwachsenenalter andauern.

Cover

Die Gestaltung des Covers gefällt mir unglaublich gut! Die Kombination aus dem beigen Hintergrund, den schwarz skizzierten Menschen und Bäumen sowie die türkis-glänzende Hervorhebung ist klasse. Die gezeichneten Bäume sind auch noch in dem Buch zu finden, sie markieren den Beginn eines neuen Kapitels.

Inhalt

In dem Buch geht es um Elly Portman, die zusammen mit ihrem Bruder Joe und ihren Eltern in einer kleinen, englischen Stadt lebt. Sie ist anders als die anderen, ebenso ihr Bruder, doch meistens stört Elly das nicht, denn schließlich hat sie noch ihre Freundin Jenny Penny. Zusammen erleben die beiden Mädchen viele tolle Dinge und freuen sich gemeinsam, als Elly ein Kaninchen geschenkt bekommen. Die Namenssuche gestaltet sich erst etwas schwierig, doch dann entscheidet ihr Bruder, dass das Kaninchen doch Gott heißen solle. Elly bemerkt recht schnell, dass Gott mit ihr redet, doch sonst kann keiner ihn hören. Als Joe dann eines Tages mit dem Rugby spielen anfängt und Charlie in ihr Leben kommt, denken die Portman-Geschwister, dass das Leben nicht noch schöner sein könnte.
Doch nach einem kleineren Zoff zwischen ihren Eltern und einer anschließenden Versöhnung in Cornwall beschließen die Eltern Portman, dorthin zu ziehen und so kommt es, dass die Freundschaft zwischen Elly und Jenny vor eine Zerreißprobe gestellt wird, doch die beiden versprechen sich, über Briefe Kontakt zu halten.

Schreibstil

Sarah Winmans Schreibstil gefiel mir sehr gut, da die Sätze nicht zu konstruiert wirkten und auch selten Bandwurmsätze zum Einsatz kamen. Nur in einem Kapitel stieß mir etwas sauer auf (regelmäßige Leser meines Blogs wissen nun schon, was kommt): die Benutzung des Wortes “Schwanz”. Meiner Meinung nach gehört das nicht in ein Buch, dass nicht in die Erotiksparte gehört. Aber gut, das ist eine persönliche Sache.

Notizen

Als ich das Buch vor zwei Tagen beendete, lag ich anschließend im Bett und dachte: “Und was war nun die eigentliche Handlung, was wollte Frau Winman mit dieser Geschichte erzählen?”. Jeder weiß, dass solche Gedanken nach dem Lesen eines Buches nicht unbedingt positiv sind. Ich hab dann weiter darüber nach gedacht und mir fiel nicht sehr viel ein zu dieser Überlegung.
Zwei Kernaspekte des Romans sind die Freundschaft zwischen Jenny und Elly, sowie die Geschwisterliebe zwischen Joe und Elly. Doch die Handlung erzählte nicht viel, wurde über fast 400 Seiten gezogen wie Kaugummi  und folgte keinem roten Draht. Es kamen und gingen (und kehrten wieder) einige wichtige Personen für die Familie Portman, welche sich auch immer weiter entwickelte. Doch jede weitere Entwicklung und jeder Charakter brachte so viele Schicksalsschläge mit sich, dass ich es als zu viel empfand. Joe ist schwul und hat damit zu kämpfen, dass er Außenseiter ist. Tante Nancy ist eine berühmte, bisexuelle Schauspielerin mit einigen Problem. Papa Portman ist schon zwei Bombenanschlägen knapp entkommen, Jenny Penny hat magische Fähigkeiten und Familienfreund Arthur weiß, wann er sterben wird. Diese Auflistung ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was im Buch passiert.
Als die Autorin dann noch den elften September mit ins Spiel bringt, wurde es mir wahrlich zu bunt, zu abgedreht, zu viel. Die in dem Klappentext angesprochene Situation, bei der Elly ausnahmsweise ihrem Bruder helfen muss, kommt erst nach fast 300 Seiten, also nach zwei Dritteln des Buches. Das also als Handlung des Romans hinzustellen, ist für mich auch nicht ganz nachvollziehbar.
Dennoch muss ich sagen, dass einige gute Stellen im Buch waren, bei denen ich lachen, oder auch mal weinen musste. Besonders gut gefiel mir Charlie, Joes Freund, da er eine interessante Wirkung auf das Geschwisterpaar hat. Auch Arthur hat mir gut gefallen, da er einem eine etwas andere Sichtweise auf das Leben und die Umwelt zeigt.

Zitate

“Meine Mutter drehte sich zur Spüle und wischte sich über die Wange. Vielleicht eine Träne? Mir wurde bewusst, dass der Grund dafür der war, dass mein Bruder noch nie das Wort ‘glücklich’ benutzt hatte, um sich selbst zu beschreiben.” – Seite 80
“’Aber das ist doch etwas Gutes, oder etwa nicht? Herauszustechen und anders zu sein?’
’Ich weiß es nicht’, sagte ich, denn ich war mir meines stummen Wunsches, mich anzupassen, ziemlich bewusst, einfach nur um nicht aufzufallen, um mich zu verstecken. ‘Ich will nicht, dass die Leute wissen, dass ich anders bin.’
Und ich blickte hoch und sah, dass mein Bruder in der Türöffnung stand.” – Seite 89
“Aber vor allem schrieb ich über ihn, den ich nun Max nannte, meinen Bruder, unseren Freund, der nun schon seit zehn Tagen vermisst wurde. und ich schrieb darüber, was ich an jenem Morgen verloren hatte. Den Zeugen meiner Seele, meinen schützenden Schatten in Kindertagen, als die Träume noch klein waren und für alle erreichbar. Als Süßigkeiten nur einen Penny kosteten und Gott ein Kaninchen war.” – Seite 319

Autorin

Sarah Winman ist in der Grafschaft Essex aufgewachsen und lebt heute in London. Hauptberuflich ist sie Schauspielerin. Nach ihrer Ausbildung trat sie vornehmlich im Theater auf, spielte jedoch auch in zahlreichen Filmen und Fernsehproduktionen mit. Als Gott ein Kaninchen war ist ihr erster Roman. via

Fazit

Obwohl ich viele Dinge an dem Buch nicht mochte, konnte es mich stellenweise doch unterhalten. Wen es nicht stört, dass alle Charaktere ein riesen großes Päckchen an seelischem Ballast mit sich herum tragen, der kann ohne Zögern zu diesem Buch greifen.
{ 2/5 Punkte }

Herzlichen Dank an den blanvalet Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

4 Kommentare

  1. Ich kann deine Gedankengänge exakt nachvollziehen, mir ging es nämlich ähnlich beim Lesen. Ich war so begeistert von Cover und Titel, dass der Roman im Nachhinein doch eine Enttäuschung war. Unstrukturiert, nicht durchdacht und gar nicht mal so *hach* wie erwartet.

    Liebe Grüße
    Katha

    • Du bringst es mit deinem Kommentar noch mal kurz und knapp auf den Punkt! Das war wirklich schade, denn ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut.

      Liebe Grüße,
      Fraencis

  2. Puh, also erstmal meine Liebe ist das eine schöne Rezension, aber ich glaube dieses Buch ist nichts für mich auch wenn ich es äußerlich ziemlich ansprechend finde :D
    Ich hatte vorher schon die Vermutung dass es nichts für mich ist und du hast es bestätigt ♡

    Danke

    Liebst, Lotta

    • Dankeschön :)

      Ohja, vom Cover her ist es definitiv ein Hingucker in meinem Bücherregal! Aber du hattest ja schon gesagt, dass es wohl kein Buch für dich wäre, aber es ist immer gut, es noch mal bestätigt zu wissen.

      Liebe Grüße,
      Fraencis

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