UNTERWEGS | George R. R. Martin in Hamburg – Veranstaltung und Pressekonferenz

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Letztes Wochenende war es endlich für mich soweit: Ich fuhr mit dem Fernbus nach Hamburg, um George R. R. Martin live zu sehen! Auf diesen Moment habe ich mich schon seit circa einem halben Jahr gefreut. Leider konnte meine Begleitperson leider doch nicht mit nach Hamburg fahren, sodass ich alleine die Stadt erkundet habe. Wie das Interview von dem Literaturkritiker Denis Scheck mit dem Autor George R. R. Martin und die Lesung war und was ich alles auf der Pressekonferenz erfahren habe, erfährst du im Beitrag.

Da ich von Philip wusste, dass er früher da sein wird, bin auch ich etwas früher als geplant am CCH aufgeschlagen. Wie ich schon bei Twitter schrieb, habe ich ein sehr schlechtes Gesichter- und Namensgedächtnis und war daher sehr froh, dass Philip auf mich zugekommen ist. Wir saßen in der Nähe der Kasse und unterhielten uns, als plötzlich Philip sagte: „Da ist doch Sibel Kekilli!“ – und ja, sie war es wirklich. Nachdem Philip sich schon mal ein Autogramm geholt hatte, sind wir nochmal zu ihr, und haben mit ihr Fotos gemacht (und ich habe dann auch noch ein Autogramm bekommen). Sie ist eine sehr sympathische Frau und hat sich für uns alle Zeit genommen :)

Sibel Kekilli Game Of Thrones George R. R. Martin Fraencis Daencis

Danach haben wir unsere Pressekarten bekommen und warteten mit den anderen Gästen auf den Einlass und es kamen Sandra und Elka dazu. Alle drei sind sehr nett und es war schön, sie kennen gelernt zu habe :) Dann ging endlich der Einlass los und wir mussten erst einmal einige Treppen bewältigen, bis wir dann zu unseren Plätzen kamen. Leider saßen wir im Oberrang, was für mich persönlich zwei Probleme mit sich brachte: Zum einem kam ich mit meinem Objektiv nicht nah genug dran, sodass die Bilder von mir nicht sehr aussagekräftig sind. Zum anderen habe ich ein wenig Höhenangst und fühlte mich dadurch da oben nicht sehr wohl. Aber gut, kommen wir zum eigentlichen Grund, warum ich überhaupt da saß: George R. R. Martin.

George R. R. Martin Harbour Front Festival Hambubrg Literatur Bühne Fraencis Daencis

Pünktlich um 19 Uhr kam der Literaturkritiker Denis Scheck auf die Bühne und ohne weitere Umschweife begrüßte er direkt den Mann des Abends. George R. R. Martin, der so gekleidet war, wie wir es alle von ihm kennen. Nach einer kleinen Begrüßung von Denis Scheck ging es dann auch nahtlos in das Interview über. Recht schnell kamen die beiden darauf zu sprechen, dass George R. R. Martin kleine Figuren sammelt, die aber nicht so klein sind wie die im Miniaturwunderland in Hamburg, wie er anmerkte. Unter anderem besitzt er eine Sammlung von Aliens, die zu keiner Buch- oder Filmserie gehörten und die einfach als Spielzeug produziert wurden. George R. R. Martin nutzte diese Sammlung, um erste Geschichten zu schreiben, in denen diese Figuren die Hauptrollen spielen. Eines der Aliens ist gelb und hat eine Waffe in der Hand, doch George R. R. Martin konnte einfach nicht herausfinden, was das für eine Waffe sein sollte. Also hat er kurzerhand beschlossen, diese Waffe sei ein Bohrer und das Alien ein Folterer, der seinen Gegnern die Köpfe aufbohrt. Dazu sagte er selbst, er sei schon als achtjähriger Junge sehr blutrünstig gewesen.

Im weiteren Verlauf des Abends erzählte George R. R. Martin, dass das Aufsehen rund um die TV Show „Game of Thrones“ für ihn persönlich ungewohnt und nicht immer angenehm sei. Er wird nun viel öfter erkannt und wird ständig um Autogramme und Selfies gebeten, wodurch er in einen Lebensstil hineingedrängt wurde, den er nicht für sich wollte. Vor den Hotels, in denen er auf Reisen übernachtet, stehen jetzt Fans, im Restaurant wird er um Autogramme gebeten und er wird viel häufiger erkannt als es vor der Show der Fall war. Daraufhin fragte Denis Scheck, was sich ändert, wenn man einer der erfolgreichsten Autoren der Welt ist. Die Antwort kam prompt: „Ich habe mehr Geld!“. Das brachte das Publikum zum Lachen, eine Situation, die mehrmals im Laufe der Veranstaltung auftrat. Der Autor erzählt weiter, dass er immer noch im selben Haus in Santa Fé lebt, dass er sich 1983 gekauft hat. Okay, fügt er hinzu, es kam noch ein zweites Haus hinzu, in dem sein Büro ist und Denis Scheck ergänzt, dass er ja auch noch ein drittes Haus für seine Bücher hat (Jetzt mal im Ernst, davon träumen wir doch alle!). Die Probleme, die er seit einiger Zeit hat, sind daher eher „Firstworldproblems“ (Bezeichnung von mir) und die meiste Zeit ist das schon okay so. Eine Sache hat sich aber für ihn nicht geändert: seine Arbeit – und das ist das Wichtigste! Er möchte jeden Satz so perfekt wie möglich hinbekommen und dieser Anspruch ist immer noch geblieben.

Denis Scheck kam dann auf das Thema Drachen zu sprechen, die schon sehr früh in George R. R. Martins Werken auftauchten. Die knappe Antwort von dem Autor – der aber weitere Erklärungen folgten – war:

Auch mit dieser Aussage hatte er die Lacher und einen brausenden Applaus auf seiner Seite. Es war eindeutig, dass die knapp 3000 anwesenden Gäste ihm da auf jeden Fall zustimmten. Daraufhin sprachen die beiden Männer erst einmal über den Coolnessfactor von Dinosauriern und Drachen und Denis Scheck brachte es am Ende auf den Punkt:

Ja, so kann man das wohl sagen.

Eine Aussage, die ebenfalls viele Lacher hervorbrachte, war die von George R. R. Martin, dass er im Laufe seiner Kindheit „…from comicbooks to bookbooks“ kam und das seine Vorliebe für die Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror auch aus der Kindheit stammt. Seine damalige Welt reichte von der First Street, auf der er wohnte, bis zur Schule auf der Fifth Street – eine fünf Blocks große Welt, die er sehr gut kannte. Darüber hinaus kam er selten aus seinem Heimatort Bayonne raus, denn die Familie besaß kein Auto. Durch die Bücher, die er las, konnte er weiter reisen und seine Welt wurde immer größer. Zu den Helden seiner Kindheit gehörten – neben dem Autoren Heinlein – auch die Superhelden aus den Comicbüchern. Dabei stand für ihn damals schon fest, dass Green Lantern definitiv der bessere Superheld sei als Batman. Green Lantern findet einfach nur einen Ring und bekommt dadurch seine Superkräfte; Batman hingegen muss erst einmal unglaublich viel trainieren, um als Batman bestehen zu können. Er hätte immer gehofft, eines Tages auch einen Ring zu finden und ein Superheld wie Green Lantern zu werden, doch das sei nie so gekommen. Diese Aussage brachte wieder einmal das Publikum dazu, in Gelächter auszubrechen, doch Denis Scheck nahm sie zum Anlass, um Martins Allmachtsfantasien anzusprechen, die dieser augenscheinlich schon früh entwickelte. Scheck schaffte dadurch einen unglaublich guten Übergang zu seiner nächsten Frage:

„Who holds the power in the USA today?“

Auf diese folgte erst einmal ein gedankenvolles Schweigen. Für George R. R. Martin war es eine komplizierte Frage, denn eigentlich haben viele Menschen die Macht, da es keinen König mit absoluter Macht in den USA gibt. Jedoch hat auch Geld viel Macht, dadurch also die Firmen. Und Geld beeinflusst auch immer mehr die Wahlen, eine Entwicklung, die er äußerst bedenklich findet – eine Aussage, die das Publikum mit großem Applaus unterstreicht. Denis Scheck baut darauf auch seine nächste Frage auf, ob die Autoren in den USA denn auch Macht besäßen. Laut George R. R. Martin besitzt der einzelne Autor kaum bis keine Macht, aber kollektiv als Unterhalter der Nation definitiv. Autoren und Drehbuchautoren können durch Bücher, Filme und Shows unglaublichen Einfluss auf die Menschen ausüben. Er merkt an, dass er selbst schon früh durch die Bücher seiner Kindheit beeinflusst wurde in seinem Denken und Handeln. In den Geschichten aus dem Genre Science-Fiction wird nicht  mehr von den Amerikanern, den Deutschen und den Russen gesprochen, sondern von den Erdenbürgern als eine vereinte Menschheit. Ein Gedanke, den ich selbst auch sehr unterstützenswert finde.

George R. R. Martin Denis Scheck Harbourfront Festival Hamburg Fraencis Daencis

Von diesem ernsteren Thema wechselte der Autor dann aber problemlos in humorvollere Gefilde mit der Aussage, dass er in der falschen Zukunft gelandet sei. Er wollte weder das Internet, noch den Terrorismus und die globale Erwärmung. Er wollte stattdessen lieber in der Zukunft landen, in der es die Kolonie auf dem Mars gibt, die Jetpacks und die fliegenden Autos. Martin wandte sich mit einem Appell direkt an das Publikum im Saal, doch korrigierte sich dann schnell selbst: „Nehmt die globale Erwärmung und gebt uns fliegende Autos! Nein, halt, wenn wir alle welche hätten, dann würden wir in der Luft nur Unfälle bauen. Ich möchte nur ein fliegendes Auto für mich!“ Das wurde dann von den Anwesenden mit viel Gelächter quittiert.

Doch das Publikum zeigte seine Zustimmung nicht nur durch Gelächter. Bei den ernsten Themen, die ebenso angesprochen wurden, gab es immer wieder Beifall. So auch für die weiteren Ausführungen Martins zum Thema Zukunft. Früher dachten alle Menschen, die Zukunft würde besser werden, aber das ist nicht mehr der Fall. Früher sagten alle, dass die Kinder es besser haben werden und die Enkelkinder erst recht. Heute ist das Gegenteil der Fall: Die Kinder werden es schlechter haben und die Enkelkinder stecken komplett im Schlamassel.

Dies führt der Autor in meinen Augen sehr clever weiter aus: Früher waren die Bestseller meistens aus dem Genre Science-Fiction und wenige aus dem Bereich Fantasy. Heute ist es umgekehrt mit der Begründung, dass wenn die Leute heute Science-Fiction lesen, es nur noch Dystopien sind und nicht die Utopien, die früher beliebt waren.

Diese ernste Note behielt das Gespräch erst einmal bei, als Denis Scheck die Gretchen-Frage stellte: „Wie halten Sie es mit der Religion, Herr Martin?“, dessen Antwort wieder eine für ihn offensichtlich typische Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit war. Er sei katholisch, glaube aber nicht mehr an diesen Kram. Manchmal würde er es gerne, denn das würde das Leben in seinen Augen so manches Mal leichter machen. Man könne nach dem Tod zum Beispiel auf einer Wolke mit Jesus abhängen. Doch für ihn ist es anders. Das Universum ist wunderbar und faszinierend, aber das ist auch das einzige, das uns erwarten wird.

Mit dieser doch philosophischen Aussage endete das Interview dann und es ging zum Lesungsteil und er las ein Kapitel aus …  dem sechsten Buch der „A Song of Ice and Fire“-Reihe (in Deutschland wären das dann Band 11 und 12)! Es sei ein achtzehn Seiten langes Manuskript, also muss er ja nur noch ein paar Seiten schreiben, bis das Buch fertig sei… Zu dem Inhalt werde ich an dieser Stelle natürlich nichts verraten, aber ich kann sagen, dass George R. R. Martin ein sehr guter Leser ist. Die Emotionen kamen alle deutlich beim Publikum an und das Ende des Kapitels wurde mit tosendem Applaus begrüßt. Damit ging ein schöner Abend mit Denis Scheck und George R. R. Martin zu Ende, der mir sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.

Abschließend kann man sagen, dass der Abend ein voller Erfolg war. George R. R. Martin ist ein sympathischer Mann mit einem trockenen Humor, der auch selbstironisch sein kann. Das Interview wurde von Denis Scheck hervorragend geführt, der es verstand, ausgezeichnete Fragen zu stellen und die Stimmung im Saal zu halten, auch wenn das auf einer sehr intellektuellen Ebene geführte Gespräch von humorvoll zu ernst wechselte.

Montagmorgen ging es dann für mich zum Madison Hotel in Hamburg, in dem die Pressekonferenz stattfand. Ich war vorher sehr aufgeregt, da ich noch nie an einer teilgenommen hatte. Ich war ein wenig früher da und konnte mich schon mal in Ruhe umsehen und meine Sachen zurecht legen. Der Konferenzraum war geschmückt mit einer Karte von Westeros und an einer Wand waren einige Bücher aufgebaut.

Büchertisch Pressekonferenz George R. R: Martin Harbourfront Festival Hamburg Fraencis Daencis

Zu Beginn der Pressekonferenz beantwortete George R. R. Martin einige Fragen, die ihm immer gestellt werden, um ein wenig Zeit zu sparen. Sein Lieblingscharakter ist – nicht sehr überraschend für mich – Tyrion Lennister und es macht ihm immer viel Spaß über ihn zu schreiben. Der Autor mag aber auch alle anderen Charakter sehr gerne. Die zweite oft gestellte Frage ist der Veröffentlichungstermin von dem sechsten Buch: Er kann aktuell nicht vorhersehen, wann das Buch herauskommen wird, aber er gibt sein Bestes. Daran anschließend beantwortete George R. R. Martin die letzte oft gestellte Frage: Nein, er hat nicht vor zu sterben und wird die Reihe daher aller Wahrscheinlichkeit nach beenden. Bevor es dann mit den Fragen der Pressevertreter losging, sagte Martin, dass er zwar Co-Executive der TV Show sei und auch für vorherige Staffeln Skripte geschrieben habe, aber er war seit einiger Zeit nicht mehr am Set und er konzentriert sich auf das Buch. Fragen zur Show dürfen gestellt werden, aber ob er sie beantworten kann sei fraglich.

Eine Journalistin wollte wissen, ob der Autor Lampenfieber hätte, was er verneinte. George R. R. Martin liebt die Lesungsteile der Veranstaltungen, weil er so die Reaktionen des Publikums beobachten kann. Er kann dabei die Energie des Publikums spüren und keine Lesung gleicht einer anderen. Die Lesung in Hamburg war für ihn gut, da die Zuhörer es offensichtlich genossen haben.

Obwohl er Journalismus studiert hat, hat er nie in der Art als Journalist gearbeitet, wie er es immer dachte. Zudem war er schon während seiner Collegezeit ein Schriftsteller und verkaufte zu dem Zeitpunkt auch seine erste Geschichte. In späteren Jahren (von 1976-1979) lehrte er jedoch das Fach Journalismus an einem kleinen katholischen Frauencollege.

Von diesen eher allgemein gehaltenen Fragen ging es dann über zu der Thematik seiner Bücher, und ein Pressevertreter wollte gerne genauere Erläuterungen haben, warum Drachen cool sind; eine Frage, die George R. R. Martin mit einem Lachen quittierte. Für ihn sind Drachen so cool, da sie mystische Wesen sind, die in vielen Kulturen von China bis hin zu den westlichen Kulturen auftauchen. Sie unterscheiden sich zwar, aber sie sind immer Kreaturen mit unglaublich viel Macht. Diese Macht und auch ihr majestätisches Auftreten sind zwei Dinge, mit denen Einhörner zum Beispiel nicht mithalten können. Er selbst fragte sich dann, ob seine Drachen wohl mit denen von Tolkien mithalten könnten und verneinte es direkt. Vielleicht wäre sein größter Drachen so groß wie Smaug, aber dieser kann noch sprechen.

George R. R. Martin Pressekonferenz Hamburg Madison Fraencis Daencis

Danach kamen wir auf seine Planung zu sprechen. Martin kennt zwar die grobe Struktur seiner Bücher, doch die Nebencharaktere zum Beispiel kommen (und gehen!) beim Schreiben. Das Schreiben ist für ihn ein „process of discovery“. Es gibt laut George R. R. Martin zwei verschiedene Arten von Schriftstellern: Diejenigen, die alles ganz genau planen (die Architekten) und diejenigen, die einen groben Plan haben und dann gucken, was passiert (die Gärtner). Er selbst ist mehr Gärtner als Architekt und lässt alles auf sich zukommen. In der Nacht von Sonntag auf Montag zum Beispiel bekam er die Idee, wie er einen bestimmten Charakter töten könnte. Das diese Figur zum Sterben bestimmt sei, war von vorne herein klar, nur das Wie fehlte noch. Kompliziert ist es beim Schreiben nur, die Unterschiede zwischen der Serie und den Büchern auseinander zu halten. Aus diesem Grund schreibt George R. R. Martin keine Skripte mehr für die kommenden Staffeln, denn er versucht Abstand zu nehmen, um nicht „geistig verwirrt“ zu werden. Das seine kreierte Welt von jemand anderem zum Leben erweckt wurde, findet Martin jedoch nicht komisch. Es sei so, als würde er sein Kind auf die Schule schicken. Er kennt alle Schauspieler und die Macher und in seinen Augen entwickeln diese Menschen eine sehr gute Show, die viele Auszeichnungen bekommt. So schlecht kann es ja nicht sein, wenn es eine der populärsten Serien der Gegenwart ist.

Da George R. R. Martin nicht nur im Genre Fantasy zu Hause ist, sondern auch gerne auf die Genres Science-Fiction und Horror zurückgreift, ist noch nicht klar, woran er nach „Das Lied von Eis und Feuer“ arbeiten wird. Das steht noch in den Sternen und es dauert lange, bis er es herausfinden wird, denn Martin wird noch einige Zeit an den Büchern der Reihe sitzen. Im Interview mit Denis Scheck erzählte er, dass er früher gerne mithilfe der Bücher aus der Realität geflohen sei und ein Journalist griff diese Aussage mit der Frage auf, ob er denn wirklich gerne nach Westeros gehen würde. „Um ehrlich zu sein, nein!“, war die schnelle Antwort und alle Anwesenden lachten lauthals auf. Er würde lieber nach Mittelerde gehen und ein Elf werden, die hätten schließlich kein Problem mit dem Gewicht – und während er das sagt, schielt er auf seinen beachtlichen Bauch.

Ein weiterer Journalist griff die Frage nach dem Einfluss auf und fragte, ob es dadurch nicht schwierig wäre, so gewalttätige Bücher zu schreiben, denn auch die hätten einen großen Einfluss auf die Leserinnen und Leser. George R. R. Martin gesteht uns, dass das sehr schwierig ist, aber das er es wichtig findet, dass man ehrlich bleibt. Dazu zählt eben auch, dass die Schriftstellerinnen und Schriftsteller auch beide Seiten des Krieges zeigen – Freud und Leid, Schmerzen, Blut. Als er an der TV Show „The Beauty and the Beast“ arbeitete, hatte er deswegen Probleme mit dem Netzwerk, die vieles zensieren wollten. Sie durften kein Blut zeigen, da die Sendung in den Achtzigern um 20 Uhr ausgestrahlt wurde. Diesen Weg findet der Autor falsch. Man muss in seinen (Dreh-)Büchern keine Gewalt zeigen, aber wenn man sich dafür entscheidet, dann muss man eben auch realistisch bleiben!

Um beim Einfluss zu bleiben kam die Frage auf, auf welche Art und Weise er seiner Meinung nach andere Menschen beeinflussen könne. Augenscheinlich war die Frage erst etwas knifflig für George R. R. Martin, aber er sagte schnell, dass er auf jeden Fall andere Fantasyautoren beeinflussen würde, auch wenn er sich selbst nicht sehr einflussreich fände. Er hofft aber, dass die Art, wie man Gewalt darstellt, sich bald ändern wird.

Interessant fand ich auch, dass er zur Recherche und zur Inspiration für die verschiedenen Kulturen in Westeros Bücher und nicht das Internet benutzt (höchstens, um die Bücher zu finden). Den Informationen fügt er jedoch natürlich noch Fantasyelemente hinzu, da er keinen Anspruch hat, historische Romane zu schreiben.

„The fun of fantasy is: you can make things up!“ – George R. R. Martin

Da er nun ein sehr berühmter Autor ist, musste er sich bestimmte Strategien ausdenken, um damit umzugehen erzählt er weiter. Das Wichtigste dabei ist: Du bist wie ein Hai, halte niemals an! Ansonsten kommst du nicht mehr weg, sobald du einmal stehen geblieben bist, um Autogramme zu geben und Fotos zu machen. Manchmal vermisst er die alten Zeiten auf der Comic-Con, in denen er alleine stundenlang durch die Hallen spazieren konnte und nach Comicausgaben suchte, die er noch für seine Sammlung brauchte – jetzt hat der Autor Security auf der Comic-Con, um nicht allzu sehr belästigt zu werden. Trotz allem gibt es aber viele positive Aspekte in seinem Leben, wie George R. R. Martin betont.

Falls du selbst eine Autorin bzw. ein Autor bist, dann findest du sicherlich die nächste Frage spannend: George R. R. Martin schreibt seine Werke mittlerweile nicht mehr mit der Schreibmaschine, sondern mit einem Computer, der aber nicht mit dem Internet verbunden ist. So kann kein Virus oder Hackerangriff ihn aufhalten – es sei denn, man bricht ein und klaut den kompletten Rechner. Als Backup dient ihm keine Cloud, sondern er druckt sich immer wieder alles aus. Martin vertraut den Clouds nicht, er möchte schließlich seine Nacktfotos nicht im Internet haben (ein Scherz in Anlehnung an den jüngsten Skandal, bei dem die Nacktfotos vieler Prominente ins Internet gerieten). Er würde gerne jeden Tag schreiben, aber da er nur zu Hause schreibt, ist das leider nicht der Fall. Doch neben dem eigentlichen Schreiben gibt es noch andere Arbeit, die er machen muss. „Writing is a business!“, sagt er und erklärt, dass er früher alles alleine gestemmt hat und mittlerweile fünf Assistenten angestellt hat, die ihm mit der ganzen Arbeit helfen.

Als nächstes wurde das Grundthema der Reihe angesprochen. Laut dem Journalisten ist es Politik, George R. R. Martin drückt sich da etwas klarer aus: Power! Man könnte daher die Geschichte nehmen und in einem anderen Kontext schreiben, zum Beispiel die Handlung in einer anderen Galaxie spielen lassen.  Genrespezifische Sachen in Büchern sind laut Martin bloß „Möbel“, die man nur zum Spaß mit in die Geschichte einbringt. Er macht am liebsten eine Mischung aus verschiedenen Genres.

Die Abschlussfrage fand ich besonders interessant, da gefragt wurde, ob George R. R. Martin sich selbst eine Karte gezeichnet hat, als er mit „A Song of Ice and Fire“ begann. Noch bejaht er die Frage, noch verneint er sie. Er war ganze 80 Seiten schon in dem ersten Buch drin, als er realisierte, dass eine Karte doch nützlich wäre! Zu dem Zeitpunkt hatte er jedoch kaum Informationen über die Geschichte, denn das erste Kapitel kam ihm einfach so in den Sinn. Mit jedem weiteren Kapitel rückte dann alles mehr und mehr an seinen Platz. Laut George R. R. Martin benötigt man bei Fantasy – und ich stimme ihm in dem Punkt zu! – eine Karte, ansonsten weiß man als Leserin bzw. Leser kaum, wo genau die Orte liegen. Sein abschließender Satz beendete hervorragend eine spannende Pressekonferenz, auf der ich einiges gelernt habe:

„We’re all the children of Tolkien.“ – George R. R. Martin


An dieser Stelle möchte ich mich noch mal bei dem Verlag und im Speziellen bei Sebastian Rothfuss bedanken, dass ich bei der Veranstaltung dabei sein durfte! Es war für mich eine unglaubliche Erfahrung. Schön war auch, dass ich einige Bloggerinnen und Blogger nun auch mal getroffen habe. Schaut also mal bei den Erwähnten vorbei, es lohnt sich!

3 Kommentare

  1. Hello <3
    Der Beitrag ist wirklich super-mega-toll geworden und es hat so viel Freude gemacht ihn zu lesen. Da fühlt man sich gleich als wäre man mitten drin dabei gewesen. TOLL!

    Viele Grüße<3

    • fraencisdaencis sagt

      Hallo,

      Danke, das ist ein sehr schönes Kompliment und freut mich sehr! :)

      Liebe Grüße,
      Fraencis

  2. Sehr schöner Bericht, insbesondere, nachdem ich schon einen anderen Bericht von einer Freundin gelesen habe, so bekommt man gleich einen noch viel größeren Einblick in den Abend.
    Und dass du bei derPressekonferenz dabei sein durftest, ist echt toll!

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