„Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben von Matt Haig Rezension fraencisdaencis.deSchon bevor Matt Haigs Buch über Depressionen – seine eigenen und im Allgemeinen – in Deutschland erschien, hatte es mich neugierig gemacht. Der englische Titel „Reasons To Stay Alive“ wurde immer wieder lobend erwähnt. Über verschiedene Wege kam es dann dazu, dass ich drei Exemplare der deutschen Ausgabe erhalten habe. Eines werde ich behalten, was mit den beiden anderen geschieht, seht ihr morgen hier auf meinem Blog um 12 Uhr!

„Eins der wesentlichen Symptome der Depression ist, keine Hoffnung zu haben. Keine Zukunft zu sehen. Da ist kein Licht am End des Tunnels, denn der Tunnel ist an beiden Enden zu und du bist drin.“aus „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig, Seite 5

Inhaltsangabe

Ein Buch, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Denn mit gerade mal 24 Jahren wird Matt Haig von einer lebensbedrohlichen Krankheit überfallen, von der er bis dahin kaum etwas wusste: einer schweren Depression. Es geschieht auf eine physisch dramatische Art und Weise, die ihn buchstäblich an den Rand des Abgrunds bringt. Dieses Buch beschreibt, wie er allmählich die zerstörerische Krankheit besiegt und langsam ins Leben zurückfindet. Eine bewegende, witzige und mitreißende Hymne an das Leben und an das Menschsein – ebenso unterhaltsam wie berührend.
»Ich habe dieses Buch geschrieben, weil letztendlich doch etwas dran ist an den uralten Klischees: Die Zeit heilt alle Wunden, und es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, auch wenn wir es zunächst nicht sehen können. Und manchmal können Worte einen Menschen tatsächlich befreien.« Matt Haig – dtv 

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Matt Haig hatte seine erste depressive Episode im Alter von 24 Jahren. Er dachte, er würde das nicht überleben und wollte von einer Klippe springen. Und doch, dreizehn Jahre später, hat er ein Buch über seine eigene Erfahrungen mit der Krankheit geschrieben. Aber es ist nicht nur eine Biografie, das Buch ist mehr als das. Es ist Biografie, Ratgeber, Sachbuch; es enthält Auflistungen, humorvolle Beschreibungen, wichtige Hinweise und Fakten.

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Jeder Mensch ist anders. Jede psychische Erkrankung ist anders. Aber dennoch gibt es einige Parallelen und bestimmte Symptome und Erlebnisse werden von vielen erkrankten Menschen immer wieder beschrieben. Nur weil Matt Haig seine depressiven Episoden so erlebt hat, heißt das nicht, dass jeder Mensch diese genau so erfahren wird. Aber Anhaltspunkte und Gemeinsamkeiten gibt es eben immer. Das betont er auch immer wieder in dem Buch.

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„Ich hatte also zwei Ziele mit diesem Buch. Gegen die Stigmatisierung zu kämpfen und – vielleicht die größere Herausforderung – andere Menschen davon zu überzeugen, dass wir am tiefsten Punkt des Tals einfach nicht die klarste Aussicht haben.“
aus „Ziemlich gute Grüne, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig, Seite 7

Das Buch ist aus vielen kleineren Kapiteln aufgebaut, welche in fünf große Teile unterteilt sind: fallen, landen, aufstehen, leben, sein. Jedem Abschnitt wurde ein passendes Zitat vorangestellt. Die Kapitel passen thematisch dazu. Dabei wechseln sich biografische Textbeiträge mit faktischen, humorvollen oder aufgezählten ab. Die Mischung erschien mir beim Lesen gelungen und trug zu einem abgerundeten Leseerlebnis bei.

Besonders spannend und gut gemacht fand ich die Hinweise, wie man einem an Depression erkrankten Menschen eventuell helfen kann. Mit Worten und Taten. Aber auch die Auflistungen des Autors, was ihm selbst geholfen hat und was nicht. Was andere Betroffene berichten.

„Was sollen wir also tun? Reden. Zuhören. Zum Reden ermuntern. Das Gespräch weiterführen. Die Augen offen halten, uns nach Leuten umsehen, die sich vielleicht am Gespräch beteiligen möchten. Wiederholen, immer und immer wieder, dass Depressionen nichts sind, das man „bekennt“, wofür man sich schämen muss, sondern eine menschliche Erfahrung. Eine Erfahrung, die Jungs, Mädchen, Männer, Frauen, Junge, Alte, Schwarze, Weiße, Heteros, Schwule, Lesben, Arme und Reiche machen. Die Depression, das bist nicht du. Sie ist etwas, das dir passiert. Etwas, das häufig durch Reden besser wird. Durch Worte. Trost. Unterstützung.“
aus „Ziemlich gute Grüne, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig, Seite 85

Fazit und Empfehlung

Dieses Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen. Es liefert Hintergrundwissen über Depressionen, zeigt manchmal humorvoll angehaucht, wie sich das Leben mit Depression anfühlen und gibt kleine Hinweise, wie Depressiven geholfen werden kann.

Fakten

Titel: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben
Autor: Matt Haig
Übersetzerin: Sophie Zeitz
Verlag: dtv
Reihe: nein
Seitenzahl: 304
Erscheinungsjahr: 2015
ISBN: 9783423280716
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„Da die meisten Menschen, die sich umbringen, depressiv sind, ist Depression also eine der tödlichsten Krankheiten auf unserem Planeten. In unseren Breiten töten Depressionen mehr Menschen als die meisten anderen Formen von Gewalt zusammen genommen – Krieg, Terrorismus, häusliche Gewalt, tätliche Übergriffe. […] Trotzdem scheinen viele Leute immer noch zu denken, Depressionen seien eigentlich nicht so schlimm. Sonst würden sie die Dinge nicht sagen, die sie sagen.“ aus „Ziemlich gute Grüne, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig, Seite 32f

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2 Replies to “„Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig”

  1. Hallo,

    ich habe von dem Buch schon so viel Gutes gehört und bin dementsprechend auch sehr neugierig.

    Andererseits lese ich ungern und wenig traurige Bücher bzw. Bücher über Krankheiten, weil ich damit nur schwer umgehen kann.

    Schade eigentlich, weil man da tolle Bücher verpasst.

    1. fraencisdaencis sagt: Antworten

      Hallo,

      so traurig ist das Buch aber gar nicht und es sind immer sehr kurze Kapitel. Wenn es also doch einmal zu viel werden sollte, kann man es ganz gut kurz pausieren. Vielleicht hilft dir dieser Hinweis bei der Entscheidung, ob du es lesen möchtest oder nicht.

      Liebe Grüße,
      Fraencis

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